Akut: Thema Innenstadt

Appelle an die Geschäftsleute

 

MÜNCHBERG - Die geplante Schließung des Traditionshauses Pock und die Diskussion um die Zukunft der Münchberger Innenstadt schlagen hohe Wellen. Mit dem Thema befasste sich auch die Wählergemeinschaft (MWG) in ihrer jüngsten Sitzung. Vorstand und Stadtratsfraktion stellten einer Mitteilung zufolge fest, dass die Konkurrenz in der Münchberger Peripherie sowie die Oberzentren Hof und Bayreuth Faktoren seien, die das Überleben der Geschäfte in der Innenstadt erschwerten. 

Jedoch hätte zudem die Geschäftswelt selbst aktiv alle Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation nützen müssen, betonten Rainer Ott und Brigitte Weiß. Die Bürger, die vor Jahren im Rahmen des Stadtmarketings durch die Uni Bayreuth befragt wurden, hätten unter anderem die unterschiedlichen Öffnungszeiten und die teilweise nicht zeitgemäße Schaufenstergestaltung in der Innenstadt bemängelt. In zeitaufwändigen Sitzungen hätten damals zahlreiche engagierte Münchberger dringlichste Probleme erörtert und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Ladensterben und tote Innenstadt seien bereits vor Jahren ein Problem gewesen, unterstrich Renate Merkel mit Hinweis auf einen MHTZ-Bericht vom November 2001.

Mittags geschlossen

Die MWG stellt fest: Sieht man in diesen Bürgern gleichzeitig potenzielle Käufer eines "Gesamtkaufhauses Innenstadt Münchberg", so wurden deren Bedürfnisse und Vorschläge zur Verbesserung wie durchgehende Ladenöffnungszeiten von maßgeblicher Seite bis heute ignoriert. Zwar bemühten sich einzelne Geschäftsleute, die tote mittägliche Innenstadt durch kulinarische Angebote zu beleben. Doch könne es sich wohl nirgendwo ein Kaufhaus leisten, mittags zu schließen, ohne dramatischen Kundenrückgang zu riskieren und den Aufsprung zu verpassen.

Fraktionssprecher und Dritter Bürgermeister Max Petzold stellte fest: In Zeiten leerer Stadtkassen könne von der Kommune trotz der Erkenntnisse aus dem Stadtmarketing keine Innenstadtsanierung und auch keine Fertigstellung der Südumgehung erwartet werden, um den Durchgangsverkehr im Zentrum zu vermindern. Doch sei es dringend notwendig, konkrete Planungen und Maßnahmen auch für die überlasteten Bereiche im nördlichen Schulgebiet und in Straas zu forcieren. Eine Sperrung der Kulmbacher Straße für den Lkw-Verkehr sei ein Beitrag zu Verbesserungen im Innenstadtbereich, und auch das neue Ärztehaus verspreche eine Belebung. Zudem werde mit dem neuen Stadtprospekt eine finanzierbare Werbung auf den Weg gebracht.

Selbstverständlich, meint die MWG, müsse die Stadt ein offenes Ohr für die Geschäftswelt haben. Doch sei eine Kommune auch auf das Interesse der Geschäftsleute angewiesen, um innovativ und zukunftsorientiert gemeinsam zu agieren, betont Stadtrat Günter Ordnung. Ansatzpunkte zur Verbesserung der Situation seien in der Stärke-Schwäche-Analyse des Stadtmarketings nachzulesen. 

Eine neue Chance?

Einig ist man sich bei der Wählergemeinschaft auch darüber, dass die Schließung des Modehauses Pock, einst als florierendes Textil-Einkaufszentrum der kommerzielle Mittelpunkt der Stadt, eine neue Chance im Sinne einer Belebung der Innenstadt sein könnte: Nämlich dann, wenn ein rühriges Nachfolgeunternehmen oder ein Gesamtkonzept gefunden werden kann. 

B. W.  Erschienen in der MHTZ vom 22.08.2007